
2. Oktober 2026
Weltpremiere in Leipzig: Erstes Automobilwerk mit Wasserstoff-Pipeline
Pioniertat für Energie-Resilienz und Dekarbonisierung
Das BMW Group Werk Leipzig setzt einen historischen Meilenstein auf dem Weg zur nachhaltigen und unabhängigen Energieversorgung. Am 30. September 2026 feierte der Standort den symbolischen Baubeginn für den Anschluss an das künftige deutsche Wasserstoff-Kernnetz. Über eine rund zwei Kilometer lange Anschlussleitung wird der Standort ab dem ersten Halbjahr 2028 als weltweit erstes Automobilwerk direkt per Pipeline mit Wasserstoff versorgt.
Das Pipelineprojekt wird mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie des Freistaates Sachsen kofinanziert und entstand in engem Schulterschluss von Industrie, Energiepartnern und Politik. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Vertreter der Bundespolitik begleiteten den Baustart. Der direkte Netzanschluss stärkt nicht nur die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, sondern verwandelt das Werk Leipzig in einen zentralen Ankerpunkt für die regionale und nationale Wasserstoffwirtschaft.
Vom bivalenten Brenner zur großflächigen H2-Nutzung
Wasserstoff besitzt am Standort Leipzig eine lange Tradition: Bereits seit 2013 kommt der Energieträger in der Intralogistik zum Einsatz. Heute betreibt das Werk Leipzig mit mehr als 230 Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeugen die größte Flotte dieser Art in Europa. Zudem wurden in der Lackiererei bereits 2022 bivalente Brenner installiert, die flexibel sowohl mit Erdgas als auch mit Wasserstoff betrieben werden können.
Der neue Pipelineanschluss hebt diese Technologie auf ein völlig neues Leistungsniveau. Künftig kann Wasserstoff das fossile Erdgas vor allem in den energieintensiven Trocknungsprozessen der Lackiererei in großem Maßstab ersetzen. „Die Pipeline ermöglicht die Versorgung unserer Lackiererei mit Wasserstoff in völlig neuen Größenordnungen“, betont Petra Peterhänsel, Leiterin des BMW Group Werks Leipzig. „Sie ist damit ein Meilenstein zur Sicherung unserer künftigen Energie-Resilienz und bietet Potenziale für die weitere Dekarbonisierung unserer Produktion.“
Lokales Energiemanagement und der Weg zum Prosumer
Das Projekt fügt sich nahtlos in das globale Energiemanagement der BMW Group ein, das statt auf Pauschallösungen auf technologieoffene, standortspezifische Ansätze setzt. Künftig sollen die Produktionsstandorte Energie nicht mehr nur verbrauchen, sondern als sogenannte Prosumer auch selbst erzeugen, speichern und flexibel steuern. Ein digitales System verknüpft dabei virtuell Erzeuger, Verbraucher sowie Speicher und optimiert die Energieflüsse datenbasiert für eine maximale Netzstabilität.
Für die Umsetzung des Pipeline-Projekts arbeitet die BMW Group eng mit regionalen Infrastrukturpartnern zusammen: Die ONTRAS Gastransport GmbH sichert den Anschluss an das nationale H2-Kernnetz, während die MITNETZ GAS GmbH den Bau der zwei Kilometer langen Anschlussleitung inklusive Mess- und Regelanlagen übernimmt. Durch diese Partnerschaft sichert das Werk Leipzig seine Energieversorgung langfristig ab und zeigt beispielhaft, wie industrielle Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung Hand in Hand gehen.