14.04.2023

Die NEUE KLASSE: Next Level Mobility

Welche technologischen Innovationen stecken in den Fahrzeugen der NEUEN KLASSE und ihrer Produktion? Entwicklungsvorstand Frank Weber und Produktionsvorstand Milan Nedeljković antworten.

Herr Weber, Sie leiten das Entwicklungsressort. Herr Nedeljković, Sie verantworten die Produktion. Wie sieht Ihre Zusammenarbeit aus: Der eine entwickelt das Auto und der andere baut es dann?

Frank Weber: Nein, unsere Zusammenarbeit beginnt bereits bei der ersten Konzeptidee und endet erst über ein Jahrzehnt später, wenn das Fahrzeug ausgelaufen ist. Wir treffen sämtliche Entscheidungen in gemeinsamen Gremien. Bestes Beispiel ist der Hochvoltspeicher der nächsten Generation – so eine Herausforderung gelingt nur, wenn Produkt- und Produktionskonzept aus einem Guss sind. Und das betrifft natürlich auch den Prototypenbau.

Milan Nedeljković: … und darum haben wir die Prototypenfertigung direkt im Forschungs- und Innovationszentrum angesiedelt. Mehr Verzahnung geht nicht. Unsere Stärke ist die Fähigkeit, Innovationen, neue Technologien und Produktionsprozesse perfekt aufeinander abzustimmen.

Das beginnt schon bei der Ausgestaltung der ersten Fahrzeugeigenschaften und setzt sich über den gesamten Entwicklungsprozess bis zum Serienanlauf fort. Erste Baugruppen und Fertigungsschritte entstehen in der digitalen Welt, bevor sie physisch Realität werden. Das ist Connected Engineering at its best.

Die BMW Group will Mobilität auf ein neues Level heben. Was steckt dahinter?

Milan Nedeljković: Wir arbeiten an einer Fülle von Themen, die alle miteinander vernetzt sind – zum Beispiel an effizienten Antriebstechnologien, an der Ladeinfrastruktur mit grünem Strom und natürlich an der Digitalisierung und Konnektivität unserer Fahrzeuge. Dabei fokussieren wir uns in der gesamten Wertschöpfungskette auf Nachhaltigkeit und Zirkularität. Vom Rohstoff bis zum Recycling. Das heißt: wir nehmen Mobilität ganzheitlich in den Blick.

Wie wird sich das auf das Fahren eines BMW auswirken?

Frank Weber: Es geht hier beileibe nicht nur ums Fahren. Unsere Kundinnen und Kunden haben schon immer eine besondere Beziehung zu ihrem BMW. Wir wollen, dass diese Beziehung künftig noch enger wird. Und zwar, indem wir das physische und digitale Erlebnis noch besser miteinander verschmelzen: einzigartige Fahrdynamik kombiniert mit wegweisendem Entertainment und maximaler Digitalität.

Was können wir von der NEUEN KLASSE erwarten, die 2025 an den Start geht, Herr Weber?

Frank Weber: Die NEUE KLASSE ist die fundamental neue Technologieplattform, auf der vollelektrische Modelle der Marke BMW basieren werden. Sie wird Maßstäbe setzen in punkto Antrieb und Effizienz, Digitalität und Nachhaltigkeit. Zentral für den Antrieb der Zukunft ist die Batteriezelle mit unseren völlig neu entwickelten großen zylindrischen Zellen. Diese werden wir erstmals in der NEUEN KLASSE einsetzen. Dafür haben wir zehn Jahre grundlegende und intensive Forschungsarbeit geleistet.

Was zeichnet die neue BMW Batteriezellgeneration aus?

Frank Weber: Wir haben eine langjährige Expertise für Zelltechnologie, ein tiefes Wissen bis auf die Molekülebene. Von diesem Know-how profitieren unsere unsere Kundinnen und Kunden. Mit den neuen Rundzellen werden unsere Fahrzeuge rund 30 Prozent mehr Reichweite erzielen und zugleich bis zu 30 Prozent schneller laden. Und wir lösen mit der NEUEN KLASSE die Nachhaltigkeitsziele ein, zu denen wir uns verpflichtet haben: minus 40 Prozent CO2 pro Fahrzeug spätestens pb 2030 im Vergleich zu 2019 – und zwar über den gesamten Lebenszyklus.

Folgt daraus, dass die NEUE KLASSE auf eine neue Art und Weise produziert werden wird, ja sogar muss, Herr Nedeljković?

Milan Nedeljković: Wir haben in der Tat die einmalige Gelegenheit, Produktion gänzlich neu zu denken und zu gestalten. Unser Masterplan für die Produktion der Zukunft ist die BMW iFACTORY. Wir setzen auf effiziente und flexible Strukturen und Prozesse, eine ressourcenschonende Fertigung und eine durchgängige Digitalisierung. Auf dieser Basis entwickeln wir das gesamte Produktionsnetzwerk der BMW Group systematisch weiter.

Können Sie das etwas konkreter fassen?

Milan Nedeljković: Schon heute kann jedes unserer Werke in Europa und China vollelektrische Fahrzeuge produzieren. Die nächsten Standorte im Netzwerk stehen in den Startlöchern. Dabei nutzen wir unsere Flexibilität, die vollelektrischen Modelle in die existierenden Strukturen zu integrieren. Gleichzeitig bauen wir sukzessive Hochvoltbatterie-Fertigungen an unseren Standorten aus und bereiten uns parallel schon auf die nächste Generation vor.

Wir haben unsere Werke schon fast vollständig digital mit 3D-Scans erfasst und schaffen damit eine gute Absprungbasis für die Integration der E-Mobilität in die existierenden Strukturen. So läuft die NEUE KLASSE heute schon virtuell vom Band. Das setzt uns vom Wettbewerb ab.

Kommen wir noch einmal zurück zu den Besonderheiten der NEUEN KLASSE. Herr Weber, Sie sprachen über neue Maßstäbe in punkto Digitalität. Haben Sie noch einige Details für uns?

Frank Weber: Die NEUE KLASSE wird eine bisher unbekannte neue emotionale Experience bieten. Wir werden die Fahrzeuge mit leistungsstarken, digitalen Funktionen ausstatten, die ständig über schnelle Remote Software Upgrades unsere Produkte immer besser machen. Unterm Strich werden wir eine herausragende Mensch-Maschine-Interaktion bieten, wie wir sie Anfang dieses Jahres – natürlich überhöht – mit unserem Visionsfahrzeug BMW i Vision Dee gezeigt haben.

Das heißt, der BMW i Vision Dee ist eine konkrete Inspirationsquelle für die NEUE KLASSE?

Frank Weber: Auf jeden Fall. Am besten zeigt das der Mixed Reality Slider in Verbindung mit dem Head-Up Display der Zukunft. Stufe für Stufe wird die Frontscheibe mit Echtzeit-AR- und -VR-Daten angereichert. So wird die Fahrt aufregender und zugleich sicherer, und man kann die Zeit im Auto besser nutzen. Das BMW Panoramic Vision zum Beispiel, das wir aus dem BMW i Vision Dee abgeleitet haben und mit der NEUEN KLASSE einführen werden, bietet eine beeindruckende Projektion digitaler Informationen auf der vollen Breite der Frontscheibe.

In der BMW Group hat auch das Thema Nachhaltigkeit höchste Priorität. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine der näheren Zukunft?

Milan Nedeljković: Zunächst einmal: Nachhaltigkeit ist kein Selbstzweck, sondern sichert die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens. Nachhaltigkeit war schon immer fester Bestandteil unserer Produktionsphilosophie. Wir denken dabei, wie vorhin angesprochen, ganzheitlich, etwa wenn es um einen möglichst geringen Ressourceneinsatz oder verantwortungsvoll gestaltete Lieferketten geht.

Dabei versuchen wir lokale Potenziale zu erschließen und geeignete regenerative Energiequellen zu identifizieren. So nutzen wir heute bereits Biomethan in Spartanburg und in Südafrika, Solarenergie in Mexiko, Oxford und weiteren Standorten oder Windkraft in Leipzig. Dort pilotieren wir auch den Wasserstoffeinsatz in der Lackiererei. Und in unserem neuen Werk Debrecen werden wir eine Fahrzeugproduktion ohne den Einsatz fossiler Energieträger realisieren.

Frank Weber: Nachhaltigkeit ist für uns ein entscheidender Antrieb. Die Elektromobilität wird nur dann erfolgreich sein, wenn sie in allen Aspekten nachhaltig ist – und das geht weit über das elektrische Fahren hinaus. Dazu gehören überragende innovative Produkte, aber ebenso bezahlbarer Grünstrom für das Fahren und die Produktion, nachhaltig gewonnene und bezahlbare Rohstoffe und geschlossene Recyclingprozesse. Außerdem ist dafür eine ausreichende öffentliche Ladeinfrastruktur zwingend erforderlich. Hier muss deutlich und schneller nachgelegt werden, und zwar von allen Akteuren. Erst wenn jeder dieser Faktoren für sich funktioniert, wird die E-Mobilität in Summe erfolgreich sein.

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